Architektur in Österreich

Das kleine Österreich ist berühmt für seine Kunst- und Kulturvielfalt. Die Wiener Sängerknaben, die Wiener Philharmoniker, die Staatsoper, zahlreiche Theater und Museen im ganzen Land, Doch was wäre das schönste Konzert, die tollste Ausstellung ohne den richtigen Rahmen? Genaunichts. Und da kommt die Architektur ins Spiel. Von Barock über Gotik, Klassik und Renaissance bis hin zu moderner Architektur hat Österreich einiges zu bieten. Denn was zählt ist eben doch immer der erste Eindruck.

Beginnen wir mit der klassischen Architektur Österreichs: die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisation deutsch: Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) erklärte einige architektonische und kulturelle Höhepunkte in Österreich zum Weltkulturerbe. Angefangen vom Schloss Schönbrunn und den Altstädten von Wien, Salzburg und Graz das sind nur einige der von der UNESCO eingetragenen Weltkulturerbe in Österreich.
Schlendert man also zum Beispiel durch die Wiener Altstadt, könnte man denken, man befindet sich in einem Museum. Ein prunkvolles Gebäude reiht sich an das andere, man fühlt sich unweigerlich in k. u. k. Zeiten zurückversetzt. Der erste Wiener Gemeindebezirk (Innere Stadt) ist mit mehr als 60 Museen der Bezirk mit den meisten Museen in Wien. Die Albertina, eine grafische Sammlung mit über 65.000 Zeichnungen und über 1 Million gedruckten grafischen Blättern, ist eine der größten und bedeutendsten grafischen Sammlungen der Welt. Außerdem befinden sich die Hofburg, das Kunst- und das Naturhistorische Museum, die Wiener Secession, das Wiener Künstlerhaus, das Bank Austria Kunstforum, die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste, die Österreichische Nationalbibliothek, das Jüdische Museum und das Museum für Völkerkunde in der Inneren Stadt. Abgerundet wird dies durch kleinere Spezialmuseen wie das Uhren-, das Teddybärmuseum und das Haus der Musik als erstes Klangmuseum der Welt.

So schön diese alten Bauwerke auch sind, so prächtig sie ein Stadtbild verschönern, so ist es doch wichtig, dass sich alles weiterentwickelt. Auch in der Architektur. Gäbe es da einen Stillstand würden wie vielleicht immer noch in Höhlen hausen
Auch auf dem Gebiet der modernen Architektur gibt es in Österreich viel zu sehen. Besonders bekannt für seine Experimentierfreude ist das kleine Ländle Vorarlberg. Dort häufen sich die Zahlen von modernen Bauten und die Vorarlberger sind mittlerweile weltweit bekannt für ihren einzigartigen Stil.
Doch auch in den anderen Bundesländern ist man experimentierfreudig: sei es im Burgenland, wo viele Jungwinzer regelrechte Space-Bauten aus ihren Weinbergen ragen lassen, in Kärnten, wo Günther Domenig am Ossiacher See das bereits weltweit berühmte Steinhaus erbauen ließ oder auch in der steirischen Landeshauptstadt Graz, wo das Kunsthaus, der Friendly Alien einen Stadtteil prägt.
Die Österreicher sind, ganz gegen ihren Ruf, kein eingeschlafenes Bergvölkchen. Sie sind wagemutig und versuchen immer wieder etwas Neues zumindest im Hinblick auf die Architektur.
Schauen wir uns nun ein paar besonders gelungene Beispiele für moderne Architektur in den österreichischen Bundesländern an.

Burgenland: Besonders bekannt ist der Neubau des Weingutes Hillinger. Die Architekten gernergerner plus haben ein völlig modernes Gebäude in die burgenländische Landschaft einfließen lassen. Das große Fenster an der Vorderfront lässt dem Besucher den Blick auf die Weingärten frei. Bei Nacht leuchtet es als weithin sichtbares Zeichen in die Landschaft.
Kärnten: Steindorf ein kleiner Ort am Ossiacher See. Sehenswürdigkeiten: das bereits weltweit bekannte Steinhaus von Günther Domenig. Nach 22-jähriger Bauzeit konnte der Architekt seinen Traum schließlich doch verwirklichen. Die Form soll eine Anlehnung an die schroffe Bergwelt rund um den Ossiacher See sein.


Niederösterreich: Der Wolkenturm in Grafenegg ist eine Open-Air Bühne, die sich wie ein Gartenpavillon hervorragend in die Landschaft einfügt er wurde nämlich von the nextENTERprise-architects in einer Senke geplant und passt sich so den natürlichen Gegebenheiten an.
 
 

Oberösterreich: Obwohl das Ars Electronica Center in Linz schon weithin sichtbar ist, kann man es doch nicht sofort erkennen. Es verändert seine Gestalt, je nachdem, aus welchem Blickwinkel man es betrachtet und das nur deshalb, weil keine Außenkante parallel zur anderen verläuft. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist, dass es mittels Leuchtdioden alle Farben spielen lassen kann.

Salzburg: Ja, auch vor der Barock-Stadt Salzburg hat die Moderne nicht Halt gemacht. Ein besonderes Erlebnis ist der Hangar 7 am Flughafen. Er ist eine weltweit einzigartige Kombination aus Flugzeug-Hangar, Kunstgalerie, Gastronomie und Erlebnisbereich.

Steiermark: In diesem Bundesland war und ist eine der ausgeprägtesten Architekturszenen, bekannt als Grazer Schule, unterwegs. Das Grazer Kunsthaus, der Friendly Alien ist ein Beispiel für wahr gewordene Vision, geplant von den britischen Architekten Cook und Fournier.

Tirol: Die wohl bekannteste Skisprungschanze des Landes befindet sich in Tirol, genauer gesagt am Berg Isel. Nicht nur des Sportes, auch der Architektur wegen, ist sie wohl ein Besuchermagnet. Sie wurde von der Stararchitektin Zaha Hadid geplant und wird heute schon gerne als Leuchtturm von Innsbruck bezeichnet.


Vorarlberg: Wie schon oben erwähnt, gilt Vorarlberg in Sachen Architektur als das innovativste Bundesland Österreichs. Nicht nur öffentliche Bauten, sondern auch zahlreiche Privathäuser sind im modernen, futuristischen Stil geplant und gebaut. Das Bild zeigt das Festspielhaus in Bregenz.
Wien: Natürlich macht die Moderne auch vor der Bundeshauptstadt nicht Halt. Obwohl die Altstadt als UNESCO Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde, gibt es immer wieder neue, moderne Bauten, die sich aber in das Stadtbild Wiens einfügen. So gilt das MuseumsQuartier als Musterbeispiel, wie alt und neu nebeneinander existieren, ohne sich zu behindern im Gegenteil, die verschiedenen Baustile und epochen bereichern einander.
Man sieht, Österreich hat auch auf dem Architektur-Sektor so einiges an Besonderheiten, die es auf jeden Fall wert sind, besichtigt zu werden.

Kommen wir nun zu berühmten österreichischen Architekten:

Friedensreich Hundertwasser
Er wurde am 15. Dezember 1928 in Wien unter dem Namen Friedrich Stowasser geboren und starb am 19. Februar 2000. Er selbst änderte 1949 seinen Namen in Friedensreich Hundertwasser, eine Anlehnung an slawische Sprachen, in denen sto hundert ist. Im Jahr 1949 begann die Zeit seiner Reisen Italien, Frankreich und Nordafrika beeinflussten seine künstlerische Entwicklung sehr. Anfangs arbeitete er an vielen verschiedenen grafischen Techniken wir Siebdrucke, Farbholzschnitte, Radierungen und vieles mehr. In den siebziger Jahren begann er damit, Architekturmodelle anfertigen zu lassen. Seine eigentliche Arbeit als Architekturdoktor, wie er sich selbst bezeichnete, begann in den frühen Achtzigern mit dem Bau einer Wohnhausanlage in Wien, heute bekannt als Hundertwasser-Haus. Sofort wurde es ein Touristenmagnet und ist es bis heute noch. Auch zahlreiche andere Bauten, darunter die Kirche in Bärnbach in der Steiermark, die bekannte Rogner Therme Bad Blumau, ebenfalls in der Steiermark, und die Müllverbrennungsanlage Spittelau in Wien. Doch seine Werke wurden nicht nur in Österreich, sondern in der ganzen Welt berühmt. In Deutschland etwa gibt es einen Hundertwasser-Bahnhof und auch in Japan, USA, Israel, der Schweiz und Neuseeland beauftragte man ihn für diverse Bauwerke.
Seine Werke sind geprägt von bunten, ungeraden Formen, nichts gleicht dem anderen. So wurden zum Beispiel in der Therme Bad Blumau insgesamt 2.400 Fenster eingebaut, von denen keines einem anderen gleicht. Hundertwasser selbst sagte bereits 1958: Die gerade Linie ist gottlos und unmoralisch.
Hundertwasser-Haus in Wien Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen   Rogner Therme Bad Blumau

Günter Domenig
Der österreichische Architekt wurde am 6. Juli 1934 in Klagenfurt, Kärnten, geboren. Er studierte in Graz Architektur, wo er seit 1980 auch an der Universität unterrichtet. Domenig hat seit den sechziger Jahren viele architektonische Strömungen wie Strukturalismus, Brutalismus und Dekonstruktivismus entscheidend mitgeprägt.
Viele seiner Bauwerke haben den Anspruch, Gesamtkunstwerke zu sein, darunter auch das schon erwähnte Steinhaus in Steindorf.
Dadurch errang er internationalen Bekanntheitsgrad und auch das Museum für angewandte Kunst in Wien (MAK), würdigte seine Arbeiten mit einer Ausstellung unter dem Titel Domenig Das grafische Werk im MAK.
Neben dem Steinhaus gibt es noch viele andere Bauwerke von ihm: den Umbau der Firma FunderMax in Glandorf (Kärnten), den Mursteg in Graz und das T-Center in Wien, um nur ein paar zu nennen.
Außerdem erhielt er für seine Werke zahlreiche Auszeichnungen, wie den Österreichischen Bauherrenpreis 1967, den Großen Österreichischen Staatspreis für Architektur für sein Gesamtwerk 2004 und den Österreichischen Staatspreis für Architektur für das T-Center 2006.
Mursteg in Graz   FunderMax-Werk in Glandorf           T-Center in Wien


Gustav Peichl
Er wurde am 18. März 1928 in Wien geboren und arbeitet als Architekt, Autor und Karikaturist. Unter seinem Pseudonym Ironimus zeichnet er Karikaturen für Die Presse (österreichische Zeitung), die Süddeutsche Zeitung und den ORF.
Seine Ausbildung umfasst die Matura in der Staatlichen Gewerbeschule Linz 1949 und dann ein Architekturstudium an der Akademie der bildenden Künste in Wien, das er 1953 abschloss. Bereits 1955 eröffnete er ein eigenes Architekturbüro. Er selbst lehrte von 1973 bis 1996 an der Akademie der bildenden Künste Wien.
Als Architekt hatte er seinen Durchbruch durch den Bau von sechs Landesstudios (Dornbirn, Eisenstadt, Graz, Innsbruck, Linz, Salzburg) für den ORF, die alle nach dem gleichen Prinzip gebaut sind. Gemeinsam mit Boris Podrecca und Rudolf F. Weber entwarf er den Millenium Tower von Wien, mit 202 Metern das höchste Gebäude Österreichs.
Auch er erhielt einige Auszeichnungen, darunter den Preis der Stadt Wien für Architektur 1969, den Mies van der Rohe Award for European Architecture 1986 und das goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 1997. Außerdem wurde er im Jahr 2004 in die Liste der 50 wichtigsten Österreicher der letzten 50 Jahre gewählt.

 Millenium Tower in Wien

 

      Selbstportrait Peichl 