Wien, Wien nur du allein

sollst stets die Stadt meiner Träume sein. So lautet der Text eines Wiener Volksliedes. Was Wien zu bieten hat, wie die WienerInnen sind und sprechen und einige Höhepunkte der Stadt sollen hier angeführt werden. Natürlich dürfen auch einige Informationen über Geschichte, Geografie und Kultur nicht fehlen. Kommen Sie mit, auf eine Reise durch Wien.

Wien Hauptstadt von Österreich und gleichzeitig eines der neun Bundesländer. Zurzeit leben 1.712.903 Personen mit Hauptwohnsitz in Wien, was es zur zehntgrößten Stadt der Europäischen Union macht. Viele große und internationale Organisationen sind in Wien beherbergt: Das Büro der Vereinten Nationen in Wien (UNOV) hat einen der vier Amtssitze der Vereinten Nationen einquartiert, weiters haben die OPEC (Organisation of Petroleum Exporting Countries), die OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) und die IAEO (Internationale Atomenergie-Organisation) Sitze in Wien. Daraus ergibt sich eine internationale politische Bedeutung für Wien und es zählt daher zu den Alpha World Cities.

Die Geschichte zeigt, dass  Wien Jahrhunderte lang kaiserliche Reichshaupt- und Residenzstadt der Habsburger war. Somit war sie Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches und kultureller und politischer Mittelpunkt Europas. Noch immer herrscht in der Altstadt kaiserliches Flair, gemeinsam mit dem Schloss Schönbrunn wurde sie von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.
Im Jahr 1910 zählte Wien als die viertgrößte Stadt der Welt (nach London, New York und Paris) und hatte über zwei Millionen Einwohner. Das änderte sich allerdings leider schnell, da nach dem zweiten Weltkrieg etwa ein Viertel der Einwohner verloren waren.

Geografisch gesehen ist Wien mit einer Fläche von 414,90 km2 das kleinste Bundesland Österreichs. Bis 1921 gehörte Wien zu Niederösterreich, von dem es vollständig umgeben ist. Dass Wien eine der größten und bedeutendsten Städte in Europa ist, verdankt es auch seiner geografisch günstigen Lage es liegt im Herzen von Europa. Seit dem Fall des eisernen Vorhangs im Jahr 1989 wachsen auch die wirtschaftlichen Beziehungen zu den nördlichen und östlichen Nachbarstaaten Österreichs deutlich. Die geografische Nähe macht sich bemerkbar. Außerdem liegt Wien nur 60 km von der slowakischen Hauptstadt Bratislava entfernt diese Nähe zweier Hauptstädte ist, abgesehen vom Sonderfall Vatikan Rom, einzigartig in Europa.
Seit der Ausdehnung des Schengen-Raumes im Jahr 2007 können die Staatsgrenzen Ostösterreichs erstmals seit 1918 ohne Grenzkontrollen überquert werden.

Die ersten Eintragungen von der Stadt Wien gehen ins 13. Jahrhundert zurück. Archäologische Funde zeigen jedoch, dass bereits in der Alt- und in der Jungsteinzeit Menschen dieses Gebiet besiedelt haben mussten.
Im 1. Jahrhundert n. Chr. errichteten die Römer in der Nähe der Donau ein Militärlager und die benachbarte Zivilstadt Vindobona. Dies diente als Grenzsicherung für die Provinz Pannonien. Die Römer blieben bis ins 5. Jahrhundert, danach fiel das Lager relativ schnell den Wirren der germanischen Völkerwanderung zum Opfer.
Als dann im Jahr 955 n. Chr. König Otto I. die Magyaren bei Wien besiegte, war der Aufstieg der Stadt und Österreichs gesichert. Bereits im 11. Jahrhundert galt Wien als wichtiger Handels- und Geschäftsort und schon 1156 wurde Österreich zum Herzogtum erhoben und Wien war somit die Residenz des Herzogs.
1221 bekam Wien als zweite Stadt im Herzogtum Österreich (nach Enns) das Stadt- und Stapelrecht. Das bedeutete, dass Handelsleute, die durch die Stadt zogen, ihre Waren zum Verkauf anbieten mussten. Somit unterhielt Wien sehr bald Handelsbeziehungen, die insbesondere entlang der Donau und nach Venedig reichten und war eine der bedeutendsten Städte des Reichsgebietes.
Dann folgte die Zeit der Habsburger Regenten, das berühmteste Paar unter ihnen waren wohl Kaiser Franz Joseph I. und seine Gattin Kaiserin Elisabeth, bekannt als Sissi. Viele Mythen ranken sich um sie und es gibt auch einige Verfilmungen ihres Lebens. Was meist als Eitel, Wonne, Sonnenschein dargestellt wird, war in Wahrheit nicht immer so. Doch die dunklen Seiten von Sissi will niemand sehensie soll immer die schöne, liebenswerte Kaiserin der Herzen bleiben.
Auf die Habsburger-Zeit folgten die dunklen Zeiten in der Geschichte Wiens: zuerst der erste Weltkrieg von 1914 bis 1918, mit der verheerenden Versorgungskrise und auch das Ende Österreich-Ungarns. Am 12. November 1918 wurde vom Parlament Wien die Republik ausgerufen. Es folgte die Zwischenkriegszeit mit den Wirren, den Anfängen des Nationalsozialismus, dem Einmarsch Hitlers in Österreich. Am 12. März 1938 marschierte die deutsche Wehrmacht in Österreich ein. Die dunkelste Zeit Österreichs begann: der zweite Weltkrieg. Von den etwa 200.000 jüdischen WienerInnen wurden rund 120.000 beraubt und in die Emigration getrieben und ca. 60.000 wurden ermordet. Ab März 1944 folgten Luftangriffe auf die Stadt dabei wurde rund ein Fünftel von Wien zerstört. Im April 1945 kam es zu einer Schlacht um Wien, die mit der Niederlage der NS-Truppen und der Besetzung der Roten Armee endete. Erst nach dem Krieg konnte man die Kriegsfolgen abschätzen: mehr als 20 % der Häuser waren teils oder ganz zerstört, etwa 87.000 Wohnungen unbewohnbar. Brücken, Kanäle, Gas- und Wasserleitungen,vieles war vernichtet. Das größte Problem, das es nun zu lösen gab, war es, die Infrastruktur und die Versorgung wieder herzustellen.
Ab diesen Zeitpunkt blieb Wien bis 1955 eine Viersektorenstadt die vier Besatzungsmächte USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion teilten die Stadt in Gebiete. Lediglich der 1. Bezirk wechselte die Besetzung jeden Monat.
Am 15. Mai 1955 erlangte Österreich die volle Freiheit und den Österreichischen Staatsvertrag. Der legendäre Satz vom damaligen Außenminister Theodor Figl Österreich ist frei! ist allen Österreichern ein Begriff. Die Besatzungstruppen zogen bis in den Herbst 1955 alle ab.
Es folgte die Nachkriegszeit mit Wiederaufbauarbeiten Wien entwickelte sich wieder zu einer Weltstadt.

Heute zählt Wien als Stadt mit der besten Lebensqualität weltweit an zweiter und dritter Stelle liegen Zürich und Genf. Wesentlich zu diesem Titel tragen der hohe Grünanteil (ca. 50%), das hoch entwickelte Bildungswesen, die Freizeitqualität, die hohe soziale und politische Sicherheit, das erstklassige Gesundheitswesen, die vergleichsweise gute ökologische Qualität der Stadt, die Dichte an kulturellen Einrichtungen, die effiziente öffentliche Verwaltung und das dichte Netz öffentlicher Verkehrsmittel bei.

Kommen wir nun zu dem Punkt, an dem sich die Geister scheiden: die WienerInnen selbst. Kein anderes Bundesland wird auf Grund seiner EinwohnerInnen so positiv oder negativ bewertet wie Wien. Der österreichische Schriftsteller Hermann Bahr (1863-1934) sagte: Der Wiener ist ein mit sich unglücklicher Mensch, der den Wiener hasst, aber ohne den Wiener nicht leben kann.
Dieses Zitat trifft die Mentalität des/der Wieners/in hervorragend. Es scheint so, als ob der/die typische WienerIn ständig grantig, böse und überheblich wäre, doch wenn man sich näher mit der Spezies beschäftigt, bemerkt man, dass die WienerInnen eigentlich doch ein gutes Herz haben. Unumstritten ist, dass sie eine eigene Mentalität, Humor und Lebensweise haben. Und auch der Wiener Dialekt ist etwas ganz Besonderes. Am Beginn des 20. Jahrhunderts wurden vier Wiener Dialekte unterschieden: Favoritnerisch, Meidlingerisch, Ottakringerisch und Floridsdorferisch (jeweils benannt nach den Bezirken, in denen der Dialekt beheimatet war). Heute ist diese Unterteilung nicht mehr zutreffend. Der Ur-Wiener Dialekt wird zunehmend zu Gunsten des Standarddeutschen zurückgedrängt. Das kommt auch daher, dass der typische Wiener Dialekt mehr und mehr dem Proletariat zugeschrieben werden. Auch die Medien verstärken dieses Bild zunehmends. So gibt es zum Beispiel Fernsehserien wie Ein echter Wiener geht nicht unter oder den Kaisermühlenblues, in dem die Protagonisten echte Wiener sind und man das auch in der Sprache hört. In diese Kategorie wollen junge WienerInnen nicht eingeordnet werden. Beispiel: Kriagst a Watschn, dass da vierzehn Tog da Schädl wocklt! (aus Ein echter Wiener geht nicht unter) gemeint ist: Du bekommst eine Ohrfeige, dass dir vierzehn Tage der Kopf hin und her wackelt.
Diese Ausdrucksweise ist etwas radikal, doch auch der Wiener Dialekt mit seinen typischen phonetischen Ausformungen wird bereits als Sprache des Proletariats bzw. der Arbeiterklasse angesehen. In Teilen Wiens wird auch heute noch so geredet, besonders in der Bevölkerung die um 1970 oder früher geboren sind. Die jüngere Generation wendet sich zunehmends von diesen Sprachausformungen ab. Ebenfalls auffallend ist der eigene Dialekt der Wiener MigrantInnen sie sprechen auch diese Umgangssprache, haben jedoch auch noch Einflüsse der Herkunftssprache. Es bleibt abzuwarten, ob es eine Annäherung der Wiener Umgangssprache an die der MigrantInnen zumindest teilweise erfolgen wird. Denn um die Jahrhundertwende (19. 20. Jahrhundert) konnte ein derartiger Prozess beobachtet werden. Somit ist also das Ur-Wienerische auch von Einflüssen aus dem Ungarischen, Tschechischen und teilweise aus dem Jiddischen geprägt.

Der berühmte österreichische Schauspieler Helmut Qualtinger (1928-1986) sagte einst über Wien: In Wien musst´ erst sterben, bevor sie dich hochleben lassen. Aber dann lebst` lang. Dies ist keine typisch wienerische, sondern eine österreichische Eigenart Erfolge, die von Österreichern erzielt werden, sind erst dann etwas wert, wenn sie im Ausland gelobt werden. Oder eben, wenn die betreffende Person gestorben ist. Der besonders ausgeprägte Totenkult Wiens wird auch in einigen Liedern besungen Es lebe der Zentralfriedhof und alle seine Toten sang Wolfgang Ambros, österreichischer Sänger und Liederschreiber, 1975. Wien ist auch die Stadt der schönen Leich`, die besondere Beziehung der WienerInnen zum Tod, wie schon oben erwähnt, sprichwörtlich. Und Georg Kreisler, österreichischer Musiker und Kabarettist, sang 1969: der Tod, das muss ein Wiener sein.

Natürlich erfreuen sich die WienerInnen nicht nur am Tod, auch andere Sachen lassen ihr Herz höher schlagen. So ist Wien die Stadt der Musik und Kultur: berühmt wurde Wien als Musikstadt in der Klassik. Viele große Komponisten lebten hier, Wien war die Welthauptstadt der Musik. Von Mozart über Haydn, Strauss und Beethoven sie alle lebten und wirkten in Wien. Doch auch heute gibt es immer wieder neue MusikerInnen aus Österreich, die über die Grenzen hinaus bekannt sind. Und auch für KulturfreundInnen hat Wien einiges zu bieten: zahlreiche Museen wie die Albertina, das Kunst- und Naturhistorische Museum, das Museumsquartier als eines der größten Museumskomplexe der Welt, Schloss Schönbrunn, das Belvedere, das Liechtenstein-Museum und das nur als kleine Auswahl.

Wien ist auf jeden Fall eine Reise wert und es hat ohne Zweifel etwas magisches, etwas eigenes. Wie schon Rudolf Sieczynski (1879-1952), österreichischer Wienerlied-Komponist sang: Wien, Wien, nur du allein sollst stets die Stadt meiner Träume sein!
Dort, wo ich glücklich und selig bin, ist Wien, ist Wien, mein Wien!